…und wie wir helfen können.

Normalerweise beginnt die Regenzeit in Guatemala im Juli. Im Hochland schaut das in der Regel so aus, dass am Nachmittag der Nebel über die Berge kommt, woraus sich ein kurzer Schauer ergibt. Jedoch verändert sich das Klima auch hier und die Extreme häufen sich. So war es zum Beispiel im Vorjahr so, dass die Regenfälle in weiten Teilen des Landes fast komplett ausblieben, bis dann im letzten Moment im Oktober der Regen kam und die Ernte gerettet hat.

Heuer ist, so wie es aussieht, das andere Extrem an der Reihe. Die Hurrikan-Saison in der Karibik hat ca. einen Monat früher als normal begonnen, und die Ausläufer der Hurrikans haben Guatemala hart getroffen. Das Unwetter Agathe hat wochenlangen Regen gebracht. Kaum, dass sich die Leute ein wenig erholt haben, ist dann das Unwetter Alex gekommen, das ich selber als tagelang andauernden Regen miterleben musste.

Ich habe mich in den letzten drei Wochen seit meiner Landung in Guatemala aufgrund des Wetters oft mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie ich die Tage sinnvoll verbringen kann bzw. was ich bei so einem Wetter hier verloren habe, während daheim der schönste Sommer ist. Für das Land Guatemala und seine Menschen bedeuten die Unwetter aber echte Katastrophen. 200 Leute starben alleine durch die direkte Einwirkung des Unwetters Agathe. Ganze Landstriche wurden überschwemmt, tausende Menschen evakuiert. Unzählige Muren machten die Verkehrswege unpassierbar, Brücken wurden unterspült und stürzten ein. Am härtesten traf es dabei wie immer die ärmsten der Armen. Jene, die auf den steilsten Hängen oder nahe an den Flüssen siedeln, weil sie sich nichts anderes leisten können, sind am meisten vom Wasser gefährdet. Zudem wurde viel von der Ernte zerstört, was die Lebensmittelpreise unmittelbar in die Höhe schnellen ließ. Das trifft wiederum die ärmsten am härtesten. Und was in Guatemala „arm“ heißt, davon hat unsereins kaum eine Vorstellung. Frauen, die mit 10 hungrigen Kindern und ohne Mann in einer kaputten Bretterbude dastehen und mit 20 Euro im Monat auskommen müssen, sind keine Seltenheit.

Der Regierung fehlt das Geld, um Hilfe zu leisten, und so sind die Leute auf Nachbarschaftshilfe und vor allem auf diverse ausländische Hilfsorganisationen angewiesen, die schnell und unbürokratisch mit dem Allernotwendigsten zur Stelle sind, wenn der Hut brennt. Und der hat besonders durch das Wüten des Unwetters Agathe ordentlich gebrannt. Auch in unmittelbarer Nähe unseres Zentrums im Hochland, wo ich mich die meiste Zeit über aufhalte, wenn ich in Guatemala bin. Einige der umliegenden Dörfer wurden schwer getroffen, ein halbes Dorf wurde mit einer Mure in die Tiefe gerissen, zig Menschen fanden dabei den Tod. Kinder verloren ihre Eltern und viele Leute stehen vor dem Nichts.

In so einem Fall ist auch die „Fundacion Austria-Guatemala“, der Sozialfond des Vereins „To-Om-Ra“ schnell und hilfreich vor Ort. Der Verein wurde von Freunden von mir vor Jahren ins Leben gerufen, um der indigenen Bevölkerung Guatemalas zu helfen. Die zentrale Einrichtung des Vereines ist das kleine Privathospital, welches sich am Gelände unseres Zentrums in Solola befindet, und wo die Indianer der Umgebung für einen gerade einmal symbolischen Beitrag eine ordentliche medizinische Betreuung unter menschenwürdigen Umständen bekommen, was in den staatlichen Krankenhäusern nicht gerade oft der Fall ist. Der Verein wickelt mit seinen ehrenamtlichen Kräften auch kleine Sozialprojekte wie Kleinkredite oder die gezielte Unterstützung besonders schwer betroffener Familien ab. Im Falle der Unwetter wird schnell und direkt geholfen und die Spendenaufrufe in Europa lösen auch immer eine Welle der Hilfsbereitschaft aus, wenn diese am meisten benötigt wird, so wie auch zuletzt.

Die folgenden Fotos geben ein paar Eindrücke von den Zuständen der letzten Wochen.

ein kleiner Pickup voll mit Leuten kämpft sich durch die vermurte Gegend

ein kleiner Pickup voll mit Leuten kämpft sich durch die vermurte Gegend

die kaputten Maispflänzchen

die kaputten Maispflänzchen

verdreckte Vorräte

verdreckte Vorräte

kaputte Straßen

kaputte Straßen

im Dorf Pixabaj

Ratlosigkeit im Dorf Pixabaj

San Antonio Palopo, oder was davon übrig blieb

San Antonio Palopo, oder was davon übrig blieb

Suche nach Verschütteten

Suche nach Verschütteten

ihr Haus wurde weggerissen

ihr Haus wurde weggerissen

Indianerfrauen beim Anstellen um Lebensmittel

Indianerfrauen beim Anstellen um Lebensmittel

provisorisches Notquartier

provisorisches Notquartier

Lebensmittelrationen

Lebensmittelrationen

HelferInnen vor Ort

HelferInnen vor Ort

Sollte sich jetzt jemand zum Spenden motiviert fühlen, dann kann ich nur dazu ermuntern. Ich kenne alle Leute, die die Tätigkeiten des Vereins in Europa und Guatemala ehrenamtlich abwickeln und kontrollieren, persönlich, und ich kann mit Sicherheit sagen, dass hier jeder Euro bei den Bedürftigen landet und sich niemand unrechtmäßig an den Mitteln bedient.

So wie ich mich hier selber überzeugen konnte, wurde zwar viel an dringender Hilfe geleistet. Das Leid ist aber bei weitem noch nicht vorbei und es kann gar nicht genug gespendet werden, um den vielen betroffenen Menschen einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben. Jeder Euro zählt.

Die Koordinaten des Vereines lauten wie folgt, wer gezielt für die Katastrophenhilfe spenden will, sollte als Verwendungszweck „Katastrophenhilfe“ und/oder „Sozialfond“ angeben.

Verein To-Om-Ra
Verein für Interkulturelle Friedensarbeit und Sozialprojekte
Raiffeisenbank Bezau/Vlbg.
Konto Nr. 42 887
BLZ 37406
IBAN AT 653740600000042887
BIC RVVGAT2B406
www.verein-toomra.at

Danke im Namen der Indianer für jeden Euro!!!!

Ich habe ja schon angekündigt, dass Wien nur ein kleines Intermezzo ist und ich mich bald wieder auf den Weg machen werde. Mein nächstes Ziel ist kein neues und schon gar kein überraschendes: Guatemala!

Neu sind nur die Umstände, unter denen ich diesmal in meine geliebte zweite Heimat fahre. Jetzt ist es offiziell und ich freue mich, dass ich folgendes verlautbaren darf:

Ich werde im Juli dieses Jahres erstmals eine spirituelle Reise in die Welt der Maya mitbetreuen. Veranstaltet und zusammen mit mir geleitet wird die Reise von Christine Muigg, die mit ihrer Familie viele Jahre in Guatemala gelebt und das Heilungszentrum To-Om-Ra über dem berühmten Atitlan-See mit aufgebaut hat. Als ich vor Jahren zum ersten Mal dorthin kam, hat sich mir eine reichhaltige und lebendige Welt aufgetan, mit der ich seitdem in einer großen Liebe verbunden bin. Eine Liebe, die sich immer mehr entfaltet und mich reich beschenkt.

So wie mir selber die Brücke in diese Welt gebaut wurde, so teile ich auch meine Zugänge und Freude darüber gerne mit meinen Mitmenschen. Die kommende Reise gibt mir die schöne Möglichkeit, dies in einem weiteren Rahmen zu tun – nun, da ich mich bereit dazu fühle.

Mit Christine Muigg steht mir dabei eine erfahrene Schamanin und vor allem eine sehr weise Frau zur Seite, die aus vielfältigen und tiefen, mystischen Zugängen schöpft. Sie ist eine große Kennerin des Landes und bringt auch genug Erfahrung mit derartigen Reisegruppen in Guatemala mit. Durch die gemeinsame Reiseleitung wollen wir uns aus unseren verschiedenen Anlagen gegenseitig ergänzen und unsere Kräfte verbinden.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich somit die Gelegenheit habe, meine Freude am Reisen und meine Liebe zum Land der Maya mit einer neuen Aufgabe zu verbinden. Meine große Dankbarkeit gilt Christine für all die Offenheit und das Vertrauen und Norbert, der uns alle Türen für dieses Projekt aufgemacht hat. Und all den wunderbaren liebenden Wesen, die im Hintergrund die Dinge einfädeln.

Der erste Termin ist im Juli. Für Weihnachten 2010 ist ein Folgetermin angesetzt und wir wollen dieses Projekt langfristig aufbauen.

Weitere Informationen gibt es hier am Blog, wenn man oben im Hauptmenü auf „Guatemala-Reisen“ geht, und darüber hinaus direkt bei mir.

Bis bald in Guatemala, Euer Jörg

15.04.2010

Frühling in Wien

Nach den letzten Monaten kann eine Verschnaufpause daheim nicht schaden, um alles zu verdauen und neue Projekte reifen zu lassen. Der Winter scheint ja überstanden und die schönste Zeit des Jahres steht bevor. Also habe ich beschlossen, eine Zeit in Österreich zu bleiben und mich um ein paar Dinge zu kümmern, die auf Reisen keinen Platz haben.

Naja, wenn ich schon in Österreich bin, dreht es sich halt auch für mich (so wie für die meisten hier) vor allem um die Arbeit und das Geld. Ich bin ja ein Glückspilz und so reichte ein kurzes Email an meinen alten Chef, um gleich ein paar Tage nach meiner Ankunft in Österreich wieder an meinem alten Arbeitsplatz, der Firma Biotop in Weidling (www.swimming-teich.com), antreten zu dürfen. Das ist natürlich genial, wenn man sich nicht irgendwo bewerben und neu auf alles einstellen muss. So nutze ich die Gelegenheit um meine Reisekassa aufzubessern. Und für die Firma ist es auch gut, immerhin ist jetzt Hochsaison im Teichgeschäft und genug zu tun. Danke, Peter!

Dank des großen Wohlwollens und der Unkompliziertheit eines ganz besonders lieben Menschen hat sich für mich auch eine kurzfristige und angenehme Lösung der Wohnfrage in Wien ergeben. Vielen, vielen Dank, liebe Gerda!!!

Gut gelaufen…ganz schnell ist es gegangen und plötzlich ist der Alltag wieder komplett auf geraden Schienen. Flexibilität lernt man ja auf Reisen, und so stellt man sich immer schneller auf alle möglichen Umstände ein. Ich kenne diese Seite des Lebens ja auch gut und so stehe ich jetzt jeden Tag in aller Früh auf, setze mich verschlafen in die U-Bahn und begebe mich wie die anderen Verschlafenen zur “Hacke”, ohne viel drüber nachzudenken - als ob es im Leben gar nichts anderes geben würde! In Wirklichkeit ist es auch nicht weniger schräg als um 5 Uhr Früh im Geschrei am Busbahnhof von Addis Abeba zu stehen oder gemeinsam mit ein paar Indianern auf der Pritsche eines Pickups durch Guatemalas Hochland zu rattern - kommt nur auf die Perspektive an. Geregeltes Leben, grauer Alltag, Sicherheit…wie auch immer man die übliche Lebensweise da bei uns dann auch nennen mag, für mich passt sie mal ganz gut -zwischendurch.

Nebenbei laufen die anderen Programme meiner DNA auch weiter und so genieße ich auch hier bestmöglich, was die vertraute Umgebung in Wien alles hergibt. Leute treffen, herumspazieren und die netten Plätze wiedersehen, ein guter Kaffe und eine ordentliche Auswahl an Lokalen aller Art. Normales Stadtleben halt.

Mein genetisches Hauptprogramm jedoch, der Freiheitsdrang, ist auch noch da. Und so gärt es ordentlich im Hintergrund und neue Pläne werden geschmiedet. Die große innere Unklarheit, mit der ich im vergangenen Jahr während meiner paar Wochen in Österreich recht zu kämpfen hatte, ist diesmal nicht da. Es gibt eine klare Richtung, in der es weitergeht…mehr dazu demnächst. Yes!

Vorab sei zu diesem Artikel angemerkt, dass sämtliche darin enthaltene Annäherung an dieses von mir beobachtete und weit über meine Beobachtung hinaus gehende Geschehen nur meiner eingeschränkten Wahrnehmung und Wissensstand entspringt. Besonders Martin bitte ich, großzügig zu sein, was womöglich unkorrekte Formulierungen oder Darstellungen betrifft. Ich bemühe mich jedenfalls, diese möglichst im Rahmen zu halten.

Was hat mein Freund Martin mit Leuten wie z.B. „Abdullah Tschetschen“, „Papa Taksim“, „Computer“ Hussein, Ibrahim aus England, Abu Bakka aus Jamaica, Ismail aus Rumänien und vielen anderen Leuten aus aller Welt gemeinsam? Sie alle sind Muslime, die den Weg des Sufis gehen. Und zwar tun sie das im Rahmen der weltweit bekannten Tariquat (Orden) der Naqshbandi.

Der Sufismus ist der mystische Weg im Islam, der sich besonders der Herzöffnung und liebevollen Hingabe an Gott verschrieben hat. Der Weg des Sufismus führt den Menschen über die übliche Praxis des Muslims und darüber hinausgehenden, speziellen Ritualen und Schulungen im Idealfall hin zum Herzen Gottes, der in diesem Umfeld natürlich Allah heißt. Der anstrengende Weg steht besonders im Zeichen der Entleerung des Selbst und der Befreiung vom Ego. Im Westen wird der Sufismus am häufigsten mit dem Orden der Mevlevi assoziiert, die den Drehtanz praktizierenden Derwische mit Hauptsitz in der Türkei. Der Sufismus wird von Europäern aus der „Esoterikszene“ gerne in einem verklärten und romantischen Licht als Bewegung gesehen, die sich großzügig und frei über Religionsangehörigkeiten und deren von Außenstehenden wenig wertgeschätzte Spielregeln und Dogmen hinweg abspielt. Tatsächlich stellte es sich mir aber bei den Naqshbandis so dar, dass das Rückgrat des Sufismus sehr wohl der Islam in seiner essentiellen Auffassung ist. Es wird gerne so formuliert, dass der Islam der Körper ist und der Sufismus das Herz.

Fest steht, dass sich der Sufismus in einzelnen Orden, den so genannten Tariquats, organisiert, die jeweils einem Sheikh (sprich Scheich) unterstehen, der wiederum aus einer über Jahrhunderte zurück reichenden Kette von Sheikhs eingeweiht wurde. Die Praktiken des Sufismus lassen sich angeblich noch bis in vorislamische Zeiten zurückverfolgen. Sheikh ist ein Ehrentitel, der nicht nur den bei uns so bekannten „Ölscheichs“ vorbehalten ist, sondern auch spirituellen Autoritäten gegeben wird.

Das Oberhaupt und der spirituelle Meister der Naqshbandi ist Mawlana Sultan Awliya Sheikh Mohammed Nazim Adil Al Haqqani Al Rabbani, um ihn beim vollen Namen und hoffentlich korrekt zu nennen. Kurz „Sheikh Nazim“ (sprich Scheich Nasim). Ein fast 90 Jahre alter Mann, der in seinem Geburtshaus in Lefke die zentrale Dergah (Gebetshaus, Kloster) seines Ordens eingerichtet hat, wo er wohnt, betet und in seiner physischen Präsenz im Dienste Gottes und seiner Murids (Schüler) steht.

der Sheikh beim Auszug aus der Moschee nach dem Freitagsgebet

der Sheikh beim Auszug aus der Moschee nach dem Freitagsgebet

Die Dergah ist eine traditionelle Form, die man als „offenes Kloster“ bezeichnen könnte, wohin Muslime aus aller Welt ihrem inneren Ruf folgen und dort ihre Erfahrungen machen dürfen, um dann zum gegebenen Zeitpunkt wieder wegzugehen (das kann nach Tagen oder Monaten sein). Das gesamte Geschehen findet unter der Führung Allahs und des Sheikhs statt. Niemand außer den engen Vertrauten und Mitarbeitern des Sheikhs darf länger als 1001 Tage bleiben. Kost und Logis, beides bewusst sehr bescheiden gehalten, sind frei, sofern man die Spielregeln befolgt und im Haus oder auf den Latifundien des Sheikhs zum weltlichen Ablauf der Dinge beiträgt, sprich mitarbeitet. Dabei wird die irdische Arbeit als klärendes Element für das Ego des Menschen gesehen, der sich in seinem Hinstreben zu Gott womöglich gerne von den alltäglichen Dingen loslösen und abheben würde. So verstehe ich es.

Zu meinem Glück darf mein Freund Martin als verheirateter Mann nicht in der Dergah schlafen und hat deshalb eine feine Wohnung gemietet, in der für mich und Gregor ein Gästezimmer vorhanden war. Christina wollte im Unterschied zu uns etwas tiefer in das Geschehen der Dergah eintauchen und hat es vorgezogen, im Frauenhaus die Erfahrung zu machen, wie es sich unter Muslimas (weibliche Muslime) lebt, die einen recht streng geregelten Tagesablauf folgen. Die Dergah steht Männern und Frauen gleichermaßen offen, wobei für beide Geschlechter jeweilige Räumlichkeiten vorgesehen sind, sodass der/die GottesdienerIn nicht zu sehr von irdischen Interessen abgelenkt wird.

Ich habe für ein paar Tage die Möglichkeit genutzt, bei der Dergah gelegentlich reinzuschnuppern und meine Einblicke in das dortige Leben und die Gebräuche nehmen zu dürfen. Im Grunde ist das Haus für jeden Menschen offen, es ist auch nichts Außergewöhnliches, dass Nichtmuslime wie ich dort mal ihre Nase hineinstecken oder auch länger bleiben, jeder ist willkommen. Man hat dennoch eine gewisse Hemmschwelle, wenn man nicht weiß, was hinter den Mauern der Dergah geschieht und wie einem darin begegnet werden wird. Nur soviel: die Leute waren mir gegenüber alle äußerst freundlich, verständnisvoll und aufmerksam. Ich hatte es aber ohnehin relativ leicht, weil mich Martin einfach mitgenommen und dort eingeführt hat. Gutes Benehmen wird in der Dergah groß geschrieben und jeder hält sich im Rahmen seiner Möglichkeiten daran, die je nach persönlicher Anlage des einzelnen sehr unterschiedlich gelagert sind. Martin ist auch dort für sein angenehmes Auftreten bekannt, logisch!

Die Dergah ist ja so wie jede menschliche Gemeinschaft nur ein Spiegel des Makrokosmos mit allen seinen Eigenheiten sowie Licht und Schatten, den die Menschen in sich tragen und ausstrahlen. Die zwischenmenschlichen Erfahrungen und Prozesse sind sozusagen Teil der „Methode“ und der Sheikh bezeichnet die Dergah sowieso nicht selten als „Mental Hospital“. Man kuriert sich und sein Ego in der Konfrontation mit sich selber und dem Zusammenleben mit den anderen, wohl beobachtet vom Sheikh. Leicht ist das Leben in der Dergah sicher nicht, wenn man bedenkt, dass zig Männer wie die Ölsardinen im Gebetsraum am Boden übernachten, der frühmorgens schon wieder für seinen eigentlichen Zweck geräumt wird. Die Toleranz des einzelnen wird da sicher ständig geprüft und geschult. Zusätzlich interessant ist ja auch, dass die Leute aus verschiedensten kulturellen und sozialen Umfeldern der Welt kommen. Es sprechen zwar alle Englisch und folgen demselben Glauben, jedoch bleibt genug Spielraum für Missverständnisse. Interessant ist es schon, was für Typen sich rund um den Sheikh geschart haben… Und spätestens, wenn dann ein Mann mit langem Bart und Turban auf dich zukommt und dich auf Wienerisch mit Meidlinger Akzent ganz humorig fragt, „No, wos sogst zu den Norrnhaus do?“, dann kann es schon auch mal ziemlich lustig werden. Überhaupt hat bei allem Ernst immer auch der Humor seinen Platz, das lebt auch der Sheikh auf seine Art vor.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit aller steht aber bei all dem die religiöse Praxis. Fünf Mal am Tag wird zum Gebet gerufen, in dem durch die arabischen Verse aus dem Koran und vorgegeben Bewegungsabläufe die Liebe zu Gott ausgedrückt, Bewusstsein geschaffen und Energie bewegt wird.

Jeden Abend gibt es die ca. einstündige Sohbet, eine Belehrung durch den Sheikh, die über Video aus dem Wohnraum des Sheikhs direkt in den Gebetsraum übertragen wird, wo alle gebannt seinen Ausführungen in teilweise holprigem, dann plötzlich wieder recht ausgefeiltem Englisch lauschen. Neben den knapp hundert Leuten in der Dergah wird die Sohbet täglich von angeblich rund 500.000 Menschen in aller Welt via Internet mitverfolgt. Der Sheikh spricht dabei mit viel Ernst und Charisma, aber auch schauspielerischem Talent und einer Portion Humor über Gott und die Welt.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, und mir den Lehrvortrag des Sheikhs beinahe täglich angeschaut und –gehört. Fest steht, dass der Sheikh ein alter und erfahrener Mann mit einer starken Ausstrahlung und seinen eigenen vielfältigen und profunden Zugängen ist, der sich unter anderem auch nicht davor scheut, diversen Gruppen des Islam, die das Bild in den Medien prägen und viel Macht repräsentieren, klar die Meinung zu sagen und somit über Grenzen zu gehen, was ihm angeblich auch viel Gegenwind aus verschiedenen Ecken dieser so vielfältigen islamischen Welt beschert. Vor allem scheint er aber viel Anerkennung und Unterstützung für seine Arbeit zu bekommen. Unter den Schülern des Sheikhs sind viele internationale Berühmtheiten und auch Vertreter verschiedener Königshäuser, auch aus nichtmuslimischen Kreisen.

Es steht außer Zweifel, dass die Sohbets von vielen Menschen als starke Hilfe auf ihrem anspruchsvollen spirituellen Weg empfunden werden, die sich wohl nicht nur durch das gesprochene Wort, sondern auch durch die energetische Präsenz des Sheiks ergibt. Das Gesagte kann natürlich auf verschiedene Art gedeutet, zerlegt und diskutiert werden, was aber keinen Sinn hätte. Ich mache das sowieso nicht und an dieser Stelle schon gar nicht. Ohnehin kann jeder, der will, die Sohbets live oder im Archiv von Sheikh´s Homepage anschauen und sich selber davon ein Bild machen.
www.sufilive.com
Persönlich muss ich sagen, dass ich mich dem Sheikh und seiner Botschaft nicht so öffnen konnte. Es ist doch ein höheres Maß an Reibung zwischen meinem Weltbild und jenem, das er vertritt, spürbar.

Der Sheikh arbeitet trotz seines Alters hart. Zweimal am Tag gibt er Audienz für seine Schüler und alle anderen, und es gibt jeden Tag genug Leute, die ihn sprechen und zu persönlichen Dingen um Rat fragen wollen. Jeden Nachmittag zur selben Zeit verlässt der Sheikh das Haus, um von seiner Entourage begleitet im Landcruiser in die Umgebung von Lefke zu fahren und einen kleinen Spaziergang zu machen. Seine Schüler nutzen diese Gelegenheit zur Huldigung ihres Meisters, die Leute holen seinen Segen ein und küssen seine Hand. Manch einer neigt zur Übertreibung des Ganzen. Der Sheikh lässt das Spektakel aber geduldig über sich ergehen und kämpft sich auf den wenigen Metern zum Auto tapfer durch. Auf gar zu große Unterwürfigkeit und Theater steht er aber anscheinend eh nicht und er dürfte wohl sehen, dass bescheidene Zurückhaltung, wie die von Martin, oft mehr wiegt als das laute Auftreten von Eiferern in der ersten Reihe. Vom Sheikh angesprochen zu werden, gilt als große Ehre, jeder fühlt sich aber schon durch einen Blick in die Augen des Mawlana beschenkt und gesegnet.

Sheikh

Sheikh

Das spirituelle Leben in der Dergah findet seinen wöchentlichen Höhepunkt klarerweise am Freitag, der für die Muslime das ist, was der Sonntag den Christen ist. Der Freitag beginnt nach muslimischem Verständnis schon mit dem Sonnenuntergang am Donnerstagabend. Da trifft man sich in der Moschee zum so genannten „Zhikhr“, einen ausgiebigen Reigen an arabischen Rezitationen, der den Charakter eines Mantrensingens hat, eine sufistische Tradition. Zum großen Freitagsgebet, das am Freitag zu Mittag stattfindet, kommt der Sheikh in die Moschee, die dann komplett voll ist. Es wird gemeinsam gebetet und rezitiert - ganz so, wie es der muslimischen Tradition und Lehre entspricht.

Danach bleibt der Raum offen für ein archaisches Ritual. Die „Hadra“ ist ein wahres Spektakel, das neben seiner energetisierenden Wirkung fast allen großen Spaß bereitet. Dabei entsteht unter Begleitung durch eine Musikgruppe ein gemeinschaftlicher „Tanz“, bei dem sich die Leute unter Ausstoßen des Lautes „Hayy!“ (einer der vielen Namen Gottes, der soviel wie “Macht” oder “Kraft” heißt) mit beiden Händen Energie ins Herz „schöpfen“. Die feurige Kraft des Rituals war sehr stark spürbar. Manche legen sich auch ordentlich ins Zeug. Der Sheikh beobachtet das sensible Treiben aber ganz genau. Er schaut, wie sich die Energie aufbaut und verteilt sie im Raum, um sie dann im gegebenen Moment wieder herunterzufahren und letztendlich das Ritual abzuwinken. Eine sehr schöne Sache, sicher irgendwie auch ein Spektakel und für mich ein großes Geschenk, dabei gewesen sein zu dürfen. Außerdem mal wieder eine Reiseerfahrung der besonderen Art, das Video gibt einen kleinen Eindruck davon wieder:

Video “Hadra”

Ja, so ist das bei den Sufis. Für mich war es nicht einfach eine beeindruckende Reise in eine doch recht exotische Welt. Ich habe mein Verständnis für den Islam erweitern können, eine wachsende Weltreligion, der neben einem meiner besten Freunde mehr als eine Milliarde Menschen angehören. Die Auseinandersetzung damit ist ein wertvolles Geschenk und baut heilvolle Brücken, wenn man sie auf der eigenen Erfahrungsebene ehrlich zulässt und nicht den Medien überlässt, so wie das der übliche und bequeme Umgang mit den fremden Dingen ist. Freilich ist auch meine Toleranz und mein Verständnis immer wieder einmal auf dem Prüfstand und ich beobachte mich genau. Wenn ich aber daran denke, wie exotisch und zweifelhaft die Dinge, denen ich in Guatemala nachgehe, nach europäisch-westlichem Dafürhalten und in den Augen vieler Österreicher beim bloßen Hinsehen wohl sein müssen, dann relativiert sich für mich sowieso vieles und ich grinse ganz entspannt…

Whatever, für die globale Toleranz braucht man sich wohl nicht groß bemühen, wenn man noch vor der eigenen Tür ein bisschen kehren kann. Wer da nichts mehr zum Kehren hat, der wird auch den sprichwörtlichen ersten Stein nicht mehr werfen brauchen und kann sich um höhere Missionen kümmern. Meinen Respekt haben alle, die sich um ihre spirituelle Entwicklung bemühen, und die Sufis tun dies zweifelsohne. Wege dafür gibt es viele, und jeder geht den, der ihm richtig erscheint und auf den ihn (im Idealfall) sein Herz gerufen hat. Ein vergleichendes Bewerten der vielen Wege ist aus meiner Sicht nicht nur höchst unangebracht sondern auch total sinnlos. Ich kann nur hoffen, dass wir als Menschheit und Erdenbewohner einer Zukunft entgegensteuern, die von Liebe geprägt ist. Schon „nur“ der Respekt ist eine sehr hohe und reine Form der Liebe, vergessen wir das nicht!! Dankbarkeit ist auch eine, und in dieser Haltung schaue ich liebevoll zurück und hinüber nach Nordzypern. Zu meinem Freund Martin und seinem gesamten näheren und weiteren Umfeld, das er mir mit seiner Liebe, Geduld und Offenheit nähergebracht hat. Muchas Gracias!

27.03.2010

Nordzypern

Direkt von Kairo bin ich nach Larnaca/Zypern geflogen. Zypern gehört zur EU. Wenn man von Zypern spricht, ist jedoch meistens nur der südliche Teil der geteilten Insel gemeint. Der Norden ist ein von der Türkei besetztes Territorium, das weder von der UNO noch sonst irgendwie international als Staat anerkannt wird. Quasi ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zypern wird von einer Grenze durchzogen, die „Green Line“ genannt wird. Überall im Land ist viel Militär präsent, mit blauen und mit anderen Helmen. Wenn man vom Süden in den Norden reist, muss man ein paar einfache Grenzformalitäten abwickeln. Den Einreisestempel für den Norden bekommt man – wie in Israel – nicht in den Reisepass gedrückt, sondern auf ein separates Papier, damit man nicht irgendwo in der Welt Schwierigkeiten damit bekommen kann. War ich zu Beginn meiner Reisekarriere noch auf jeden Stempel sehr stolz, so freue ich mich mittlerweile schon mehr, wenn ich keinen bekomme, da mein Reisepass früher oder später sowieso voll gestempelt und somit zu erneuern sein wird.

Der Norden Zyperns wird von Ausländern nicht annähernd so stark frequentiert wie der Süden, dennoch gibt es ein paar Zentren mit touristischer Infrastruktur. Teilweise ist diese hoch spezialisiert, Puffs und Casinos prägen das Bild mit. So sollte sich auf Nordzypern auch herausstellen, warum Nane nicht mehr mit mir auf Reisen ist und was er jetzt so macht. ;-) Skandal!

Mich sollte es aber in ein kleines und unscheinbares Dorf weitab jeglichen Touristengeschehens führen - nach Lefke. Für mich war es klar, warum ich die Reise nach Nordzypern und Lefke angetreten bin. Mein Freund Martin, der für mich immer wie ein jüngerer Bruder war und ist, und seine Frau Loubna aus Frankreich leben dort seit 4 Monaten und es war klar, dass ich bei den beiden einen Sprung vorbei schauen muss, wenn ich eh schon quasi um die Ecke – in Ägypten – bin. Die Frage, was die beiden dort zu schaffen haben, führt unweigerlich zu den Dingen für die Lefke bekannt ist.

Martin und ich

Martin und ich - v.r.n.l.

Lefke - auf den ersten Blick nicht so aufregend

Lefke - auf den ersten Blick nicht so aufregend

Neben dem obligatorischen Denkmal von Atatürk, das in jedem noch so kleinen Nest Nordzyperns prominent aufgestellt ist und an den Gründer der „modernen Türkei“ sowie an den lokalen Gebietsanspruch derselben erinnern soll, steht am Ortseingang von Lefke ein auffallender Springbrunnen, in dessen Mitte eine riesige Orange aus Beton thront.

die Top-Sehenswürdigkeit in Lefke

die Top-Sehenswürdigkeit in Lefke

Lefke ist bekannt für die üppigen Orangenhaine, die Äste der Bäume können die riesigen Früchte der begehrten und schmackhaften Sorten „Jaffa“ und „Washington“ kaum tragen. Auch Zitronen und Mandarinen sind allgegenwärtig. Der ganze Ort ist vom feinen Duft der Orangenblüten durchzogen. Überall liegen die Früchte herum und sind meist gratis mitzunehmen.

aus der Ferne

aus der Ferne

und aus der Nähe

und aus der Nähe

Wegen der Zitrusfrüchte sind Martin und Loubna aber nicht nach Lefke gezogen…viel wichtiger ist da schon der Arbeitgeber von Martin. Die so genannte „Europa Universität“ von Lefke lockt mit einem netten Namen und einer modernen Aufmachung junge Menschen vom türkischen Festland, von Afrika und dem benachbarten Asien in diese eher verlassene Gegend, um hier zu studieren. Martin hat hier gleich einmal nach seiner Ankunft eine Stelle als Assistenzprofessor bekommen.

el Profesor

el Profesor

Das Niveau auf der Uni ist laut Martin beschämend tief angesetzt…und wenn das jemand sagt, der selber in Wien studiert hat, dann muss es auch richtig arg sein.  Er bemüht sich in seinen Vorlesungen trotzdem auf faire Weise, den Studenten etwas Interessantes und Sinnvolles anzubieten. Die Uni erscheint in dieser rustikalen Umgebung fast wie ein Fremdkörper und funktioniert mehr oder weniger als Wirtschaftsunternehmen, das von den doch hohen Beiträgen der Studenten lebt. Martin bezieht ein für die örtlichen Verhältnisse richtig gutes Gehalt und muss sich dafür keinen Haxen ausreißen. Für eine universitäre Karriere hätte er aber auch nicht nach Lefke kommen brauchen – angesichts des Niveaus wäre es vielleicht sogar besser gewesen ;-) . Also muss es in Lefke noch etwas anderes geben, und spätestens jetzt wird es doch noch so richtig interessant…die Naqshbandi Tariquat rund um Sheikh Nazim…aber dazu mehr später, denn das ist mir definitiv einen eigenen Artikel wert.

Für mich war mal wichtig, dass ich meinen lieben Freund treffen kann und uns wieder einmal ein paar gemeinsame Tage vergönnt sind. Ich kenne Martin ja von meiner Jugendzeit in Kärnten an, später haben wir als Studenten in Wien zusammen gewohnt. Wir sind uns über viele Jahre treue Begleiter – mal aus der Nähe, mal aus der Ferne. In den letzten paar Jahren waren wir beide viel auf unseren jeweiligen Wanderschaften in der Weltgeschichte unterwegs und hatten dementsprechend weniger Zeit miteinander verbracht. Dennoch ist man durch Email, Blog etc. im Großen und Ganzen auf dem Laufenden geblieben, was der andere so treibt und was ihn bewegt.

Martin hat mir in den neun Tagen in Lefke als großzügiger Gastgeber zusammen mit seiner Frau Loubna seinen Wohnraum und Einblicke in sein neues Leben geöffnet, wir haben ein paar Ausflüge in die schöne Umgebung gemacht und uns viel Zeit füreinander genommen, um uns im Gespräch auszutauschen und gegenseitig upzudaten. Mit Loubna haben wir die Chance sehr gut genutzt, uns gegenseitig besser kennen und auch in unseren jeweiligen Eigenarten verstehen und schätzen zu lernen, was nicht auf Anhieb ganz einfach aber umso wichtiger war. Sie ist ein Mensch mit einem großen Herzen und viel Mut und dementsprechend auf ihrem persönlichen Lebensweg und gemeinsam mit Martin als seine Frau unterwegs. Auch mit Martin war es eine wertvolle Zeit, um unsere Freundschaft zu nähren und unser gegenseitiges Verständnis für unsere jeweiligen und doch sehr außergewöhnlichen Lebenswege zu stärken. Danke Martin und Loubna!!

Martin und Loubna

Martin und Loubna

Nette Gesellschaft bekamen wir zusätzlich von unseren Freunden Christina und Gregor, die aus Innsbruck bzw. Wien angereist kamen. Beide sind auf ihre jeweilige Art sehr wertvolle Wegbegleiter für mich.

Gregor der Schelm

Gregor der Schelm

St. Hilarion Castle

St. Hilarion Castle

auch

auch

ein Gebetshaus am Meer

ein Gebetshaus am Meer

Beach

Beach

der Touristenort Girne

der Touristenort Girne

Die Tage in Lefke waren wichtig für mich, höchst intensiv und interessant. Zusätzlich zu den schon angesprochenen Aspekten der Reise habe ich sehr interessante Einblicke in eine mir bisher fremde Welt (siehe nachfolgender Naqshbandi-Artikel) und für meine persönlichen Lebenerfahrung ein ganz besonders erweiterndes Schlüsselerlebnis geschenkt bekommen. So macht das Reisen Sinn!!

Letztendlich bin ich sehr bewegt, voller Zufriedenheit und Dankbarkeit wieder abgereist. Und zwar heim nach Österreich…ich hab mir eine Verdauungsphase verordnet. Wobei es mich nicht wundern würde, wenn sich das hohe Intensitätsniveau, auf dem ich fahre, daheim fortsetzt oder womöglich sogar noch gesteigert wird. Ich nehme es, wie es kommt. Und wir wissen ja und es bestätigt sich immer wieder: Der Mensch hält viel aus.

Nicht wahr, nicht!?

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In Dahab sind wir sehr zufrieden angekommen, immerhin hatten wir eine schöne und interessante Reise hinter uns. Müde waren wir aber auch schon ein wenig, und so freuten wir uns über das Meer, ein schönes Quartier, Ruhe und Entspannung.

Die Bucht von Dahab bei Tag

Die Bucht von Dahab bei Tag

...und bei Nacht

...und bei Nacht

nicht schlecht - für meine Verhaeltnısse...

gar nicht schlecht - für meine Verhaeltnısse...

Für Violeta ging es dann doch nicht ganz entspannt weiter. Während ich es mit dem Tauchen ganz gemütlich und voller Routine angehen konnte, hat sie sich ihre Skills und das Wissen erst im Tauchkurs erarbeiten müssen. Die Rahmenbedingungen hätten dafür nicht besser sein können. Sie hatte das Glück, den Tauchlehrer Sayd vier Tage für sich alleine zu haben, da es gerade eine sehr ruhige Woche war. Sayd war extrem professionell und genau, aber auch geduldig und verständnisvoll bei etwaigen Schwierigkeiten und Beklemmungen. In vier Tagen hat er Violeta so weit bekommen, dass aus der Anstrengung Vergnügen wurde, wir zum Abschluss einen sehr schönen gemeinsamen Tauchgang machen konnten und sie sich jetzt offiziell „Taucherin“ nennen darf.

...Lernen...

...Lernen...

...alles herrichten und besprechen...

...alles herrichten und besprechen...

...und dann ıns Wasser...

...und dann ıns Wasser...

so schaut es aus am Sinai - die Wueste geht quasi direkt über ın das Rıff

so schaut es aus am Sinai - die Wueste geht quasi direkt über ın das Rıff

Für mich ist die Schönheit und Vielfalt der Unterwasserwelt sowie die Leichtigkeit und Ruhe sowieso immer ein Genuss und ein bewusstseinserweiterndes Erlebnis. Das Tauchen mit „Sunsplash Divers“ war wie im Vorjahr eine äußerst runde Sache, eingebettet in eine familiäre und nette Atmosphäre rund um die Chefin Anita aus Bayern. Gracias.

Eigentlich wäre mit dem abgeschlossenen Tauchkurs die Tür für ein paar gemütliche letzte Tage am Meer und in der angrenzenden Wüste offen gestanden. Doch sollte es anders kommen und Violeta musste noch eine der unangenehmen Reiseerfahrungen einstecken. Anstrengung, Sonne, Hitze und zuwenig Flüssigkeitszufuhr können den Körper schwächen und für Krankheitserreger anfällig machen, was einem dann in weniger sauberen Ländern den so genannten Reisedurchfall bescheren kann. Eine höchst unangenehme Kombination aus Brechdurchfall, Fieber sowie grippeähnlicher Schwäche und Schmerzen, die ich auch schon öfters hatte. Genau damit wurde Violeta körperlich und nervlich niedergestreckt und ins Bett befördert. Sie hat mir schon sehr leid getan, so sehr hatte sie sich auf die letzten Tage gefreut. Mit Hilfe des örtlichen Doktors und jeder Menge moralischer Unterstützung von allen Seiten haben wir Violeta nach ein paar eher qualvollen Tagen gerade rechtzeitig zum Heimflug wieder halbwegs reisefähig hinbekommen. So sind wir von Dahab direkt per Privatshuttle auf den Flughafen in Kairo gefahren. Wie groß war die Erleichterung und Freude, als wir nach der anstrengenden und wilden Fahrt durch die Wüste endlich den Flughafen – und somit den Boden der „Zivilisation“ – betraten. Dort, am Flughafen von Kairo, endete auch unsere gemeinsame Reise, die sehr intensiv und größtenteils auch super schön war, aber doch auch teilweise den Charakter einer Fahrt mit der Hochschaubahn hatte - die Magenbefindlichkeit am Ende war leider entsprechend…;-)

"Fınal O.K." für den Heimflug

Reif für den Heimflug

Es war eine sehr gelungene Reise. Danke, liebe Violeta, dass du dich auf dieses spannende gemeinsame Abenteuer mit so viel Freude und Herz eingelassen hast! Danke den Habibis und ihren Vorgängern in diesem höchst interessanten Teil der Erde, und danke noch mehr allen Schutzengeln, die uns begleitet haben!

Violeta flog heim nach Wien, für mich ging es woanders hin.

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„Ich folgte dem Ruf einer romantischen und perfekten Vergangenheit, die mich mehr interessierte als die unnatürliche und unruhige Gegenwart.“, sagte der Photograph und ägyptenreisende Brite Francis Frith im Neunzehnten Jahrhundert.

Bestimmt geht es heute auch noch vielen Menschen so, die das Land am Nil besuchen, und ich selber müsste lügen, wenn ich behauptete, komplett frei von dieser Tendenz zu sein.

Das Alte Ägypten besticht durch wunderbare Tempelanlagen und Kunstschätze sowie den tief berührenden Darstellungen eines edel anmutenden Menschengeschlechtes von einst, die dem Besucher eine oft wohlige Wärme vermitteln.

Das heutige Ägypten hingegen bringt, wie bereits ausführlich dargestellt, doch gewisse Stressfaktoren und Anstrengungen für den Reisenden aus Mitteleuropa mit sich, sodass meist im Rahmen von Pauschalreisen ein möglichst weiter Bogen darum gemacht wird.

Zwischen den beiden Welten liegen Jahrtausende der Eroberungen, Migrationswellen sowie religiösen und kulturellen Revolutionen. Sowieso kann man das Alte genauso wenig beurteilen wie das Neue. Erstens ist bekannt, dass der Stern des Alten Ägypten unter Kriegswirren und dem Verlust des hoch stehenden Wissens und der Werte untergegangen ist. Man sollte die alte Zeit keinesfalls in ein zu romantisches Licht stellen. Zweitens ist auch eine Reise durch das heutige Ägypten eine höchst interessante Sache, die Menschen sind äußerst nett und gastfreundlich. Das exotische, bunte und oft laute Treiben hat seinen Reiz, der jeden auf seine Weise berührt und bewegt. Wie viel Pharaonenblut da noch durch die Adern der Menschen fließt, ist wohl unerheblich. Wenn man in die Augen der Kinder sieht, ist in Ägypten nicht weniger Hoffnung für die Zukunft der Menschen angebracht als überall sonst auf der Welt. Und das zählt am Ende…

Die folgenden Bilder sollen einfach ein paar Eindrücke wiedergeben, wobei die Ägypter von jetzt bewußt mehr Raum bekommen haben.

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der berühmte Ramses II

der berühmte Ramses II

der einfache Mensch arbeitet hart und kriegt nichts geschenkt, ob am Land oder in der Stadt

der einfache Mensch arbeitet hart und kriegt nichts geschenkt, ob am Land oder in der Stadt

Erholung im Teehaus

Erholung im Teehaus...

...oder auf der Gepäckablage im Zug ;-)

...oder auf der Gepäckablage im Zug ;-)

Zwischen den Pyramiden und geldigen Touris geht es lockerer zu als normal

Zwischen den Pyramiden und geldigen Touris geht es lockerer zu als normal

...zwischendurch sogar mal sehr locker... ;-)

...zwischendurch sogar mal sehr locker... ;-)

stolze Wirtsleute

stolze Wirtsleute

am Gewürzmarkt

am Gewürzmarkt

2 nette Burschen am Nil

2 nette Burschen am Nil

Schulkinder beim Tempelschauen

Schulkinder beim Tempelschauen

Ägypten ist ein magisches und hochenergetisches Land, in dem Licht und Schatten entsprechend intensiv auftreten und eng beieinander liegen. Auch wenn einem das bewusst ist, kann man sich gegen Unangenehmes nicht wirklich wappnen, da die Umstände auf einer Reise oft auf ganz eigene und unerwartete Art eintreten können. Also freut man sich einfach auf alles Schöne, so haben wir es gemacht.

Akklimatisiert haben wir uns gar nicht erst lange…Immerhin galt es diesmal einen Zeitplan einzuhalten, der mit zehn Tagen Zeit für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieses voll gestopften Landes nicht gerade sehr großzügig war. Also rein in ´s Geschehen.

Die Bilder dieses Artikels sind ein „Best of“ und zeigen ein paar der schönsten Eindrücke unserer Reise durch das Land am Nil und seine Kultur.

Zuerst hatten wir zwei Tage Kairo mit Besichtigung der Pyramiden, des Ägyptischen Museums und der islamischen Altstadt. Das Gedränge am New Yorker Times Square ist ein Kindergeburtstag gegen die wahnsinnige Geschäftigkeit, die auf den Straßen und Gehsteigen von Kairo vor allem in den Abendstunden herrscht. Nur zwei Tage mit dichtem Programm kosten da schon einiges an Kraft.

Al Azhar Moschee

Al Azhar Moschee

die Sphinx

die Sphinx

die Pyramiden von Giseh

die Pyramiden von Giseh

Violeta auf der Cheopspyramide

Violeta auf der Cheopspyramide

...und beim obligatorischen Kamelritt

...und beim obligatorischen Kamelritt

Von Kairo ging es mit dem Nachtzug zwölf Stunden und knapp 1000 km südwärts nach Assuan. Zwei Tage in Assuan mit Besuch der Tempel von Abu Simbel und der Insel Philae, beides wunderbare Anlagen der alten Ägypter, die Auge und Herz gleichermaßen berühren.

Abu Simbel

Abu Simbel

Säulengang des Isis-Tempels auf der Insel Philae

Säulengang des Isis-Tempels auf der Insel Philae

In Assuan bestiegen wir eine Felucca, ein traditionelles Segelboot am Nil. Eine hautnahe und wohl die authentischste und angenehm-gemütlichste Art, den Nil zu erleben. Zwei Passagiere, ein Kapitän und ein Koch. Zwei sehr angenehme und ruhige Tage! Ein wahres Highlight einer jeden Ägyptenreise! Eines meiner schönsten Erlebnisse jemals ist die Nachtfahrt, die wir gemacht haben. Lautloses dahingleiten am spiegelglatten Nil in der Dunkelheit, angetrieben von einer warmen Brise - Tränen der Freude und des Glücks, Dankbarkeit.

Felucca am Nil

Felucca am Nil

gemütlich und interessant

gemütlich und interessant

ein Must - das Bad im Nil, Wasser aus Äthiopien

ein Must - das Bad im Nil, Wasser aus Äthiopien

Von der Felucca ging es weiter nach Luxor, die legendäre Stadt am Nil, das einstige Theben und heute intensivstes Ballungszentrum von archäologischen Sehenswürdigkeiten der obersten Qualität. Wir haben uns hier auf die allerwichtigsten Plätze beschränkt, da man die eigene Aufnahmekapazität nach einer Woche der täglichen Besichtigungen leicht überstrapazieren kann. Luxor war nicht nur ein Höhe- sondern auch der Schlusspunkt unserer Besichtigungstour.

Tempel von Karnak

Tempel von Karnak

die prächtige Säulenhalle

die prächtige Säulenhalle

Ramses-Statue vor Luxor-Tempel

Ramses, Habibi und ich

Luxor Tempel am Abend

Luxor Tempel am Abend

die Memnon-Kolosse am Westufer

die Memnon-Kolosse am Westufer

der prächtige Hatshepsut-Tempel in beeindruckender Kulisse

der prächtige Hatshepsut-Tempel in beeindruckender Kulisse

So kann ich jetzt mit Freude und wieder mal als erfolgreicher Reiseleiter sagen, dass wir den wohl anstrengenderen Teil dieser Reise richtig gut gemeistert und genossen haben und schon in Dahab am Golf von Aqaba sind – Tauchen, gut essen, gemütliche Atmosphäre, Ruhe und Frieden, ein gemütliches Quartier, Sonne und Meer.

Ahja, ich muss noch auf den Titel des Artikels zurückkommen. Ja, der Schatten ist recht präsent in Ägypten und prüft einen ständig…nicht nur in den unzähligen Begegnungen mit den extrem penetranten und gierigen Keilern und Touristenabzockern. Die haben uns eh recht kalt gelassen. Dafür sind ein paar andere „interessante“ Situationen aufgetreten, die hier noch einmal festgehalten werden. Gott sei Dank musste es nicht schlimmer kommen und wir wurden nicht wirklich aus der Bahn geworfen.

Schon am zweiten Tag war es recht spannend…wir waren ja auch bei den mächtigen Pyramiden von Giseh. Eigentlich wollte ich eh nicht unbedingt in die große Cheopspyramide einsteigen, dennoch hab ich dann eines der begehrten und limitierten Tickets in der Hand gehalten und mich mit Violeta am Einstieg angestellt. Ich durfte vorerst nicht rein und musste draußen ein paar Minuten warten, während Violeta drinnen in dem engen und heißen Gang schon mit einer ordentlichen Klaustrophobieattacke zu kämpfen hatte und sich nicht von der Stelle rühren konnte. In der „Grabkammer“ konnte sich die Beklemmung dann aber lösen und dem guten Eindruck weichen; dennoch waren wir froh, als wir wenig später wieder das Tageslicht sahen.

vor dem Einstieg

vor dem Einstieg

Am Rückweg von den Pyramiden kam es noch dicker. Violeta bestand unbedingt darauf, im Taxi hinten rechts zu sitzen. Da hat sie noch nicht gewusst, dass irgendein Verrückter einen Stein nach uns durch die offene Fensterscheibe werfen wird. Unverständlich und alles andere als normal: ein marillengroßer Stein knallt ins Auto, prallt irgendwo ab und fliegt gegen Violetas Schlüsselbein. Als wir realisiert hatten, was geschehen war, waren wir schon etwas geschockt. Mit einer schmerzhaften Wunde fuhren wir heim ins Hotel. Ich war sehr stolz auf Violeta, dass sie durch die unangenehme Sache nicht zornig oder ängstlich wurde, sondern ihre Freude über den Pyramidenbesuch und die weitere Reise ziemlich ungetrübt blieb. Die Verletzung war nicht so schwer ausgefallen, die Schutzengel haben auf uns aufgepasst…und vielleicht war Violeta meiner, als sie sich rechts von mir hingesetzt hat.

noch mal gut davongekommen

noch mal gut davongekommen

Noch am selben Abend war ich dann aber doch dran. Im Nachtzug erster Klasse hat mein süßes Blut den Appetit der Wanzen geweckt. Die dreckigen Blutsauger mussten wohl direkt unter meinem Sitz ihr Hauptquartier gehabt haben. Ein paar Stunden war ich wachsam und konnte einige der immer einzeln auftauchenden Luder killen, nachdem sie mich gebissen hatten. Die anderen Passagiere im Abteil blieben weitgehend verschont. Irgendwann weit nach Mitternacht bin ich dann aber auch erschöpft eingeschlafen…in der Früh waren vor allem meine Hände aber auch der Rest meines Körpers mit Wanzenbissen übersäht (sicher an die 100 Bisse) und es sollte sich herausstellen, dass diese nach einem halben Tag für ca. eine Woche wahnsinnig zu jucken begannen. Schweinerei, aber wenigstens gehen Wanzen wieder heim in ihr Nest und bleiben nicht an der Theke hängen, wenn der Durst gestillt ist!

Unbehagen

Unbehagen

Die „Parasitenthematik“ sollte sich fortsetzen…Auf der Felucca bemerkten wir Gott sei Dank erst gegen Ende, dass wir das Boot, vor allem aber die „Kombüse“ (siehe Foto) und wohl auch unsere Essenszutaten mit unzähligen Kakerlaken teilen mussten, die bei Dunkelheit aus ihren Verstecken quollen. Violeta war gleich doppelt froh über das von der Reiseleitung (das bin ich) zur Verfügung gestellte Equipment - Schlafsack und Moskitonetz.

der Smutje beim Kochen

der Smutje beim Kochen, nicht gerade sauber

Es gäbe genug Möglichkeiten in Ägypten um sich in Ärger zu verlieren und man sieht auch sehr viele extrem genervte Reisende, die fast und teilweise tatsächlich vollkommen durchdrehen. Violeta ist bei allen Störfaktoren nicht einfach nur cool geblieben, sondern hat ihre Aufmerksamkeit wirklich sehr schön auf die positiven und freudvollen Dinge gerichtet. Dass es mit ihr reisetechnisch recht unkompliziert werden würde, das hatte ich mir schon gedacht. Aber auf so einer Reise durch ein fremdes Land mit komplett anderer Mentalität, Kultur, Essen, Hygienestandards, etc. steht man doch regelmäßig vor Situationen, die die Nerven, die eigene Toleranz, die Loyalität und vor allem die gute Laune auf die Probe stellen können.

Violeta hat ihre Feuertaufe als Individualreisende wirklich mehr als bravourös bestanden! Und das auf dem oft schmutzigen und nicht ganz einfachen Pflaster Ägypten, das von Europäern nicht ohne Grund vorzugsweise im Schutz einer Reisegruppe bereist wird. Violetas „Meisterstück“ war zu guter letzt die 20 Stunden dauernde Busfahrt nach Dahab, die sie quasi im Schlaf vergehen hat lassen, wie es sonst nur der Nane kann. Super! Grünes Licht für den Rest der Welt!

Gut gemacht!!!

Gut gemacht!!! Als ob das nicht klar gewesen wäre...

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Wie schon geschrieben: „Der Tag nach der Reise ist der Tag vor der Reise“…so hab ich ´s gern.

Schon in den letzten Wochen meines vergangenen Guatemala-Aufenthaltes erwachte in mir der Wunsch, noch einmal nach Ägypten zu reisen, um die wunderbaren archäologischen Stätten dieses Landes zu besuchen und nebenbei ein paar Tauchgänge zu machen. Eigentlich hab ich mir ja vor einem Jahr gesagt, dass ich so schnell in kein arabisches Land mehr reisen werde, nachdem ich im Laufe von vielen Wochen den „Habibi“-Overkill bekommen hatte. Nichts gegen die Araber: die meisten von ihnen sind weit netter als der typische Mitteleuropäer, die nervigen Exemplare haben es aber doppelt in sich! Das folgende Video zeigt unseren jordanischen Taxifahrer Moussa aus dem Vorjahr und beweist, dass man mit den Arabern auch eine volle Gaudi haben kann. Der Titel dieses Blogartikels ist nicht etwa ein Ausdruck meiner Orientierungslosigkeit, sondern stammt aus dem Video und Nane soll sich drüber freuen.

http://www.reisekreise.net/wp-content/uploads/2009/03/moussa-singt1.wmv

Ich wollte die Eindrücke, die ich im Vorjahr mit Nane zusammen in Ägypten gesammelt habe, noch einmal auffrischen. Es war auch gleich eine begeisterte Mitreisende zur Stelle, was die Sache noch zusätzlich interessant machen sollte. Violeta. Wir haben uns im vergangenen Sommer in Wien kennen und mögen gelernt. Violeta wollte schon immer mal nach Ägypten, also haben wir die Reise gemeinsam geplant. Zweieinhalb Wochen gemeinsam im Ausland sind auch eine gute Gelegenheit um festzustellen, wie jemand außerhalb des gewohnten, alltäglichen Umfeldes so ist und wie man sich miteinander verträgt, wenn man mehr Zeit als zuhause zusammen verbringt. Violeta ist ein besonderer Mensch, und somit war es klar, dass es eine interessante Reise wird…

Ich war ja gerade erst aus Irland gekommen und schon war ich wieder am Flughafen. Alles reine Routine. Ein paar Stunden Flug und schon ist man in Kairo, der größten Stadt Afrikas, wo alles so sehr anders ist als daheim, und noch viel mehr anders als in Irland…ein interessanter Tapetenwechsel! Wieder bei den Habibis, wie wird das wohl? Der Einstieg war reibungslos und uns hat´s gleich getaugt.

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Violeta noch etwas skeptisch, dafür schon Moschee-tauglich eingepackt

Violeta - noch etwas skeptisch, dafür schon Moschee-tauglich eingepackt

Als ich von Irland heimkam, erreichte mich die Nachricht, dass der Bruder meines Vaters, mein lieber Onkel,  Reinhold Steinwender, beschlossen hat, seinen kranken Körper zu verlassen und seine Reise „auf der anderen Seite“ fortzusetzen. Mein Onkel hat mich nicht nur seit jeher mit seiner großen Reiseerfahrung (47 Jahre quasi dauernd auf Geschäftsreisen durch alle Kontinente) und tollen Geschichten beeindruckt, vielmehr war er mir seelisch nahe, da er – so wie ich – sehr nach meinem geliebten Opa geraten war, dem Menschen, der mich wie kein anderer als kleines Kerlchen begleitet und in dieses sonderbare Erdendasein eingewiesen hat. Ein intensiver Mensch wie mein Onkel hinterlässt bei so einem schnellen Abschied ein entsprechend großes Loch und so müssen wir uns alle erst daran gewöhnen, dass er nicht mehr als Mensch unter uns ist. Die Beerdigung in Kärnten lag zeitlich genau an dem einzig für mich möglichen Tag zwischen zwei Reisen, und so war ich trotz all dem damit verbundenen Stress (Irland-Wien-Kärnten- Wien in einem Tag) froh, dass ich bei diesem Abschied dabei sein konnte. Bei aller Schwere und Trauer war am Ende doch auch eine leichtere und versöhnliche Energie spürbar. Auch das schöne Gefühl, Teil einer starken und lieben Familie zu sein. Und die klare Mahnung, das irdische Leben zu genießen, solange man kann.

Onkel Reinhold, Du hast genug bewegt und bewegst auf Deine Art weiter, mögest Du in Frieden und Liebe im Jenseits ruhen, wir danken Dir für alles!

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Onkel Reinhold

hier mit meinem Vater beim selbst errichteten Bildstock am Berg

hier mit meinem Vater beim selbst errichteten Bildstock am Berg

für alle, die geglaubt haben, dass ich nur zwei Hosen und drei T-Shirts besitze

Meine Eltern, meine Schwester und ich...ein Foto für alle, die geglaubt haben, dass ich nur zwei Hosen und drei T-Shirts besitze

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